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  • Recruiting Insights

Auf der Jagd nach dem nächsten Karriereschritt: Was tun, wenn sich ein Headhunter meldet?

 

Ein Headhunter kontaktiert Dich – Deine Chance?

Dein aktueller Job macht Freude und dennoch wäre es an der Zeit für den nächsten Karriereschritt. Hierbei kann Dich ein Headhunter unterstützen und Deine Chancen erhöhen, eine neue Herausforderung zu realisieren. Wenn Du kontaktiert wirst, dann empfehlen wir Dir, den Auftritt des Headhunters und die jeweilige Person (Website, LinkedIn, etc.) kurz zu screenen. Sagt Dir der Auftritt zu, dann antworte kurz und bündig. Wenn Vertraulichkeit und Seriosität gesichert sind, kannst Du bereits im ersten Mailaustausch Deinen aktuellen CV mitsenden und Terminvorschläge für ein erstes Telefongespräch machen. Wer aktuell kein Interesse an einem Wechsel hat, kann hingegen auch mitteilen, zu einem späteren Zeitpunkt, wie etwa frühestens in einem Jahr, eine berufliche Veränderung anzustreben. Das geht schnell und der Headhunter kann den aktuellen Stand besser einschätzen und Dir zu einem späteren Zeitpunkt geeignete Opportunitäten aufzeigen.

 

Ein erster telefonischer Austausch

Wer, was, wann, wie, wo, wieviel? Ein Headhunter wird Dich in der Regel kurz über die Stelle, wesentliche Aufgabenfelder, Einordung, Standort, etc. informieren. Nicht immer ist es möglich, schon im ersten Gespräch den Auftraggeber zu nennen, dafür solltest Du Verständnis aufbringen: Insbesondere im Private Capital / Family Office Sektor sind Diskretion und Verschwiegenheit höchstes Gut. Achte darauf, ob der Headhunter Deine spezielle Situation richtig verstanden hat. Signalisiere echtes Interesse durch gezieltes Nachfragen.

Die akademische Ausbildung und Berufserfahrung konkret zu beschreiben, Schwerpunkte und Stärken hervorzuheben sowie Zukunftspläne kurz zu umreißen, zeigen dem Headhunter, ob Du ein geeigneter Kandidat bist, den er vorstellen möchte. Über Probleme beim aktuellen Arbeitgeber kann geredet werden; „Lästern“ ist natürlich vollständig zu unterlassen. Wichtig und richtig ist es, selbstbewusst von eigenen Fähigkeiten und Kenntnissen überzeugt zu sein. Arrogantes oder penetrantes Verhalten ist jedoch kontraproduktiv. Ganz klar: Insbesondere der Private Capital Sektor ist ein People‘s Business. Die Eintrittskarte in den kleinen, ausgewählten Kreis ist die erste Berufserfahrung im Investment Banking oder bei einer Strategieberatung. Die Gleichung „Top Noten + Top Brands = Top Aussichten“ allein reicht jedoch nicht: Entscheidend für den Erfolg in Recruitingprozessen sind auch der Personal Fit, die Softskills sowie kleine Besonderheiten, mit denen Bewerber punkten. Auf Investment Associate Level etwa konkurrierst Du mit 200 bis 300 potentiellen, hochqualifizierten Kandidaten. Was bietest Du, was andere eben nicht bieten können?

 

Vorbereitung und nächste Bewerbungsschritte

Bist Du Dir mit dem Headhunter einig, das Bewerbungsverfahren weiterzuverfolgen, lass ihm alle erforderlichen Unterlagen rasch zukommen. Kommuniziere immer über eine private, seriöse E-Mail-Adresse, deren Postfach regelmäßig gesichtet wird. Halte Deine Termine unbedingt ein, sage nur falls unbedingt nötig ab und mache am besten unmittelbar schriftlich neue Vorschläge.

Denke daran, dass zwar auch in Deutschland immer seltener ein Foto auf dem CV erwartet wird, jedoch in Social Media wie LinkedIn oder Instagram schnell recherchiert werden kann. Es geht keineswegs um Schönheit oder Lifestyle, sondern schlicht um die Art der Präsentation, darum, wie seriös und ansprechend ein Bewerber erscheint. Berücksichtigen solltest Du Verbesserungstipps, die Dir der Headhunter mit Blick auf Gestaltung, Aufbau und inhaltliche Schwerpunkte Deines schriftlichen CV dringend empfiehlt. Er macht dies weder aus Spaß noch aus Schikane.

Falls Dein Lebenslauf aktuelle Standards nicht erfüllt, könnte der Bewerbungsprozess für Dich unnötig vorzeitig enden. Besprich Dich vor Terminen bei potentiellen Arbeitgebern ausführlich mit Deinem Headhunter – gibt es eine Agenda, welche Personen werden Dich interviewen, geht es in erster Linie um Fachwissen oder den Personal Fit, gibt es eine Case Study oder viele Brainteaser, etc.? Auch wenn nicht alles im Detail bekannt ist oder weitergegeben werden kann, solltest Du einen Eindruck erhalten, worauf Du Dich einstellen musst. Zeig auch in dieser Phase Interesse und Eigeninitiative.

 

Lass Dich von Profis beraten

Ein Headhunter wird Dir grundlegende Fragen zu Deinem künftigen Karriereweg gern beantworten. Schließlich ist es in seinem Interesse, mit Bewerbern langfristig gut zusammenzuarbeiten und seinen Kunden passende Kandidaten vorzustellen und zu vermitteln. Falls ein Bewerber Bedarf für ein umfassenderes Coaching hat, sollte er dies signalisieren. Grundsätzlich beratungsresistente Kandidaten fallen übrigens schon im ersten Telefongespräch negativ auf. Würdest Du an Stelle eines Headhunters solche Bewerber einem Klienten vorstellen und empfehlen?

 

Updates geben und bekommen

Es ist legitim, nachzuhaken, wie lange es ungefähr dauert, bis man ein Feedback bekommt, ob man im Bewerbungsprozess weiter berücksichtigt wird, wo man generell steht. Die Dauer kann je nach Position, Unternehmen und Entscheidern sehr unterschiedlich sein. Deshalb erfolgt eine verbindliche Angabe in der Regel nur selten. Auch könnte es sein, dass Du in die engere Wahl in eine der letzten Runden gekommen bist, der Auftraggeber aber den einen oder anderen Kandidaten nochmals sehen möchte. Dies ist normalerweise nicht als taktisches Verzögern zu bewerten, schließlich möchtest Du genauso wie Dein potentieller neuer Arbeitgeber sicher sein, die richtige Entscheidung zu treffen. Du kannst davon ausgehen, dass ein professioneller Headhunter Dich ohne Nachfrage informiert, wenn es etwas Neues gibt. Drängen beim potentiellen Arbeitgeber erhöht die Chancen – allerdings nur die, sich selbst aus dem Prozess zu katapultieren.

Wenn Du jedoch eine Entscheidung zu einem bestimmten Zeitpunkt brauchst, etwa, weil Du ansonsten ein anderes Angebot annehmen würdest, besprich das offen mit dem Headhunter. Dann hat er die Möglichkeit, dies mit seinem Auftraggeber zu diskutieren.

 

Next Round: Weitermachen oder absagen?

Alles läuft super, Dein Interesse besteht auch nach der ersten Runde, dennoch gibt es Fragen, Zweifel, Knackpunkte? Besprich dies mit Deinem Headhunter und gib ein qualifiziertes Feedback über Deine Gespräche und Eindrücke vor der nächsten Runde. Und sollte es nicht Deine Traum-Opportunität sein, nenne die echten Gründe. So kann der Headhunter besser einschätzen, was Dir warum wie wichtig ist. Vielleicht klappt es dann für Dich bei nächster Gelegenheit. Es gibt sie schließlich, die tollen Jobs, auch wenn sie sich so manches Mal in einer Art Wundertüte verstecken.

Sich kurzfristig umzuentscheiden und Branche X oder Bereich Y nicht mehr wechseln zu wollen, obwohl Du dies vorher als dringlichsten Karriereschritt formuliert hattest, fördert keine langfristig orientierte Zusammenarbeit mit Deinem Berater. Denk daran, dass insbesondere Ortswechsel nicht nur Dich persönlich betreffen könnten. Wenn Du in einer Partnerschaft lebst, sollten die Beziehungskarten offen auf den Tisch. Für alle Beteiligten stellt sich die Frage der Prioritäten und zwar schneller als Du Karriere machen kannst. Eine späte Absage aus dem Grund, plötzlich doch nicht umziehen zu wollen, ist ein absolutes No-Go – für alle Beteiligten.

 

Keep in touch

Du bekommst ein interessantes Angebot und nimmst es an, Gratulation! Wenn Du kein Offer erhältst, ist es wichtig, dies nicht als Niederlage zu sehen. Man kann es als Headhunter nicht oft genug betonen: Nimm es nicht persönlich. Es spielen so viele Faktoren in die Entscheidung für einen Kandidaten hinein, nicht alles liegt an Dir und in Deinem Einflussbereich, nicht alles ist sofort objektiv nachvollziehbar. Wenn Du jedoch einen kompetenten, positiven Eindruck aufgrund Deiner Unterlagen sowie in den Gesprächen mit dem Headhunter oder bei Interviews und Case Studies gemacht hast, kann das für Dich später ein großes Plus sein.

Es werden Dir noch andere Türen offenstehen. Bleib in Kontakt mit dem Headhunter, wenn Du Dich adäquat informiert und betreut gefühlt hast. Verletzte Eitelkeit ist fehl am Bewerbungsplatz. Manchmal ergibt sich nach kurzer Zeit eine passendere Job-Offerte. Auch wenn man damit nicht rechnet, kommt es vor, dass ein Arbeitgeber auf einen ausgeschiedenen Bewerber auf Empfehlung des Headhunters zurückkommt, und sei es für eine andere Position zu einem späteren Zeitpunkt. Schließlich gilt nicht nur einmal: Dein aktueller Job macht Freude und dennoch wäre es an der Zeit für den nächsten Karriereschritt.

 

Constantin Theodor Trapp ist Managing Partner der  THRONSBERG Human Capital GmbH